Unterwegs zu mir


Einer meiner ersten Blogbeiträge befasste sich mit der Übersiedlung meiner lieben Freundin S von Wien nach Vorarlberg. Das ist nun über zwei Jahre her. Ich habe sie zwar seitdem mehrmals getroffen, aber meist im Zuge eines ihrer Wienbesuche. In den weiten Westen habe ich es nur selten geschafft. Irgendwann im Sommer beschlossen wir, ein gemeinsames Wanderwochenende im Ländle zu machen, und legten einen Termin im Herbst fest.

Natürlich ist so ein Treffen immer schön, egal wie die Rahmenbedingungen sind. Wenn man sich so wie wir schon ein Leben lang kennt, kommt innerhalb kürzester Zeit dieses Gefühl von Vertrautheit zurück, das es leicht macht, an der letzten Begegnung oder am zuletzt geführten Gespräch anzuknüpfen. 

So war es auch diesmal. Unsere Lebensumstände mögen sich geändert haben, der Beziehungsstatus ein anderer sein, die für uns wichtigen Themen wurden wie immer offen, kritisch und mit dem Wissen um die Befindlichkeiten der Anderen diskutiert. Ich schätze besonders, dass ich aufgrund unserer innigen Freundschaft und trotz der unterschiedlichen Lebenspläne einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt meiner Freundin bekomme und in der Reflektion daraus Schlüsse für mein eigenes Lebensmodell ziehen kann. Und so war meine Reise ins Ländle auch eine Reise zurück zu mir.

Auf den langen Wanderungen durch den Bregenzerwald und das Montafon gab es genug Zeit zum Reden, zum Schweigen, zum Denken. Oft schweifte mein Blick über die immer noch saftigen Almen oder die imposanten Berge des Silbertals und ich konnte alles hinter mir lassen, denn es war im Augenblick irrelevant, ob ein Projekt gut läuft oder noch etwas zu erledigen ist. Die Ruhe, die ich dort verspürte, wird meine Energiequelle für die nächsten Wochen sein. 


Wenn ich morgen wieder in meinen Alltag zurückkehre, werde ich dies angereichert um die Kraft der Berge und die Erkenntnis unserer Gespräche tun. Mit dem Wissen, bald wieder unterwegs zu sein, um mir selbst ein Stück näher zu kommen.